Konsumentenschutztest win2day.at

Das Institut Glücksspiel & Abhängigkeit, unter anderem Partner des Österreichischen Sportwettenverbandes1, ist als gemeinnütziger Verein organisiert und für den Konsumentenschutz im Glücksspielbereich tätig. Dabei werden regelmäßig unterschiedliche Glücksspielangebote auf deren Spielerschutzstandards hin geprüft. Von 28. Mai bis 29. Juni 2021 wurde das Online-Glücksspielangebot der Österreichischen Lotterien GmbH (ÖLG) auf der Website www.win2day.at getestet. Dabei wurden zahlreiche Spielerschutzelemente überprüft. Die Ergebnisse des Tests wurden am 25. August 2021 im Rahmen eines Pressegesprächs präsentiert.

Im Folgenden präsentieren wir einerseits die Ergebnisse der Studie, andererseits die dazugehörige Stellungnahme von Patrick Minar, Pressesprecher der Österreichischen Lotterien, den wir mit den Ergebnissen konfrontiert habe. Minar ließ uns vorab wissen:

„Wirkungsvoller Spielerschutz ist die zentrale Vorgabe unserer gesamten Geschäftstätigkeit und wir arbeiten permanent an einer Verbesserung unserer international hohen Standards. Wenn es Verbesserungspotential gibt, stehen wir entsprechenden Hinweisen absolut offen gegenüber. Als einzig konzessionierter Online Glücksspielanbieter haben wir selbstverständlich den Anspruch an uns selbst auf den bestmöglichen Spielerschutzstandard. Derzeit verfügt win2day als alleiniger konzessionierter Anbieter über einen Marktanteil von deutlich unter 50 Prozent. In einer Gesamtbetrachtung des österreichischen Glücksspielmarktes darf daher aus meiner Sicht die Analyse der illegalen Anbieter nicht fehlen. Denn in dieser Gesamtbetrachtung wird deutlich, dass bei den illegalen Anbietern, die wichtigsten Spielerschutzstandards (z. B. Limits, Cool down-Phasen, etc.) im Vergleich zu win2day weitestgehend völlig fehlen. Aus Sicht eines Konsumentenschutz-Tests ist daher diese unvollständige Betrachtung des Glücksspielangebots in Österreich etwas befremdlich.“

  1. Spielerschutzsoftware mentor vorhanden, aber standardmäßig deaktiviert und zudem nur schwer auffindbar2. Im Gespräch mit uns3 bestätigt Patrick Minar, dass „mentor“ derzeit standardmäßig deaktiviert sei. Jedoch seien die Österreichischen Lotterien gerade dabei, eine neue Version des Spielerschutzprogrammes zu implementieren. Hier soll eine standardmäßige Aktivierung ab September 2021 vorgesehen sein. Darüber hinaus hält Minar fest, dass das aktuelle Programm keineswegs schwer auffindbar sei, sondern unter dem eigenen Profilbereich jederzeit im Menü Spielerschutz zu aktivieren sei.
  2. Wöchentliches Einzahlungslimit von EUR 800,- wird eingehalten, ist jedoch in der Höhe nicht nachvollziehbar.4 Dazu Patrick Minar: „Es handelt sich dabei keinesfalls um ein von uns willkürlich festgelegtes Limit, sondern wird uns per Bescheid durch das BMF vorgeschrieben. Dem Vorschlag auf individuelle Limits umzustellen stehen wir positiv gegenüber, ist aber an den Regulator zu richten. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass es im Gegensatz zu den illegalen Anbietern – diese decken immerhin rund 60% des Marktes ab – bei uns überhaupt ein maximales Einzahllimit gibt.“ Siehe dazu auch unseren Artikel über Unterschiede bei den Limits.  Minar weiter: „Aktuell gibt nur rund 200 Kunden, die dauerhaft an das aktuelle Limit von € 800 pro Woche gelangen. Also nur ein Bruchteil unserer rund 800.000 Kunden.“
  3. Cooldown period eingehalten. Bei einer Erhöhung des Einzahlungslimits hat win2day.at eine Abkühlungsphase von 72 Stunden vorgesehen. Die „cool down period“ von 72 Stunden wurde beim Test eingehalten.5
  4. Mehrfachkonten möglich.6 Dazu Patrick Minar: „Mehrfachkonten sind grundsätzlich nicht möglich. In der standardmäßigen Online-Registrierung wird dies nicht zugelassen. Im Zuge des „Tests“ ist das auch nicht gelungen, obwohl mehrfach versucht wurde, das System zu umgehen. Daraufhin haben sich die Tester an unser Kundenservicecenter gewandt und auf diesem Wege versucht, einen zweiten Account anzulegen. Leider wurde dies von einem Mitarbeiter, entgegen der Vorgaben, auch umgesetzt. Gleichzeitig wurde dieser unerlaubte Zweit-Account von unserem elektronischen Sicherheits- und Kontrollsystem sofort entdeckt und nach zwei Werktagen deaktiviert. Es kam also in einem Einzelfall zu einem menschlichen Versagen, die Sicherheitssysteme haben jedoch einwandfrei funktioniert und reagiert. Es kann also keine Rede davon sein, dass man ohne weiteres mehrere Accounts bei uns betreiben kann.“
  5. Paralleles Spiel möglich; das erhöht die Suchtgefahr.7 Dem entgegnet Patrick Minar: „Das ist grundsätzlich nicht möglich. Möglich ist, an einem Computer mit zwei unterschiedlichen Browsern zu spielen. Es werden dabei aber Spielzeiten und Spiellimits zusammengerechnet und einbezogen. Man kann somit durch parallele Spiele keine Limitierungen (zeitlich oder finanziell) umgehen.“
  6. Keine Trennung zwischen Sportwetten und Online-Glücksspiel.8 Dieser Kritikpunkt in der Studie ist für Patrick Minar nicht nachvollziehbar: „Diese Kritik können wir in keiner Weise nachvollziehen. Gerade aus Spielerschutzgründen halten wir diese Zusammenführung für wichtig, weil dadurch Wetten nach den Limitationen des Glücksspielgesetzes beschränkt sind. Bei den zahlreichen illegalen Anbietern existieren diese Limitierungen nicht.“
  7. Suizidprävention aufgrund von erheblich verzögerter Reaktion nicht gegeben. Da Menschen, die unter Glücksspielsucht leiden, eine enorm hohe Suizidalität aufweisen, wurde auch die Kontaktaufnahme mit dem Kunden-Support getestet, der telefonisch, per Kontaktformular (E-Mail) oder per Chat möglich ist. Der Kunden Support ist telefonisch von Montag bis Freitag von 07:00 bis 22:00 Uhr erreichbar, sowie Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 09:00 bis 19:00 Uhr. […] Vor dem Hintergrund, dass suizidale Menschen eher zur späteren Stunde in Schwierigkeiten geraten, kämen alle Antworten der jeweiligen Kontaktmöglichkeiten zu spät.9 Dazu Patrick Minar: „Gerade in solchen Fällen ist es wichtig, dass Kontakt mit psychologisch geschulten Spezialisten aufgenommen wird. Hierzu gibt es in Österreich anerkannte Beratungsstellen, auf die wir auf unserer Seite natürlich hinweisen.“
  8. Spieldauer und Spieleinsatz EUR 500,- in nur 3 Minuten verloren.10 Dazu Patrick Minar: „Unser gesamtes Spielangebot ist in der angebotenen Version vom BMF genehmigt. Auch hier gilt: Ganz im Gegensatz zum marktdominanten illegalen Angebot. Zusätzlich ist festzuhalten, dass ein schneller Verlust natürlich nicht die Limits außer Kraft setzt.“ Siehe dazu auch unseren Anbietervergleich.

 

Referenzen

[1] Seite des Institut für Glücksspiel & Abhängigkeit. Abgerufen am 27.08.2021: https://www.spielerschutz.eu/
[2] Aus „Studie des Institut für Glücksspiel & Abhängigkeit, Konsumentenschutztest auf win2day.at, Kapitel 3 „Ergebnisse und Handlungsempfehlungen“.
[3] Interview des VFfWG mit Patrick Minar am 25. August 2021.
[4] Aus „Studie des Institut für Glücksspiel & Abhängigkeit, Konsumentenschutztest auf win2day.at, Kapitel 3 „Ergebnisse und Handlungsempfehlungen“.
[5] ebda.
[6] ebda.
[7] ebda.
[8] ebda.
[9] ebda.
[10] ebda.

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